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35 Frauen für Don Juan

Ödön von Horváths Don Juan ist nicht nur Mythos und Verführer, sondern vor allem ein Gebrochener des Ersten Weltkriegs und ein Jammerlappen, dessen wahre Liebe einer Toten gilt. Andreas Kriegenburg hat Horváths „Don Juan kommt aus dem Krieg“ für die diesjährigen Salzburger Festspiele neu inszeniert. Eine der Frauen, die Don Juan umgarnen, ist die 25-jährige Schauspielerin Elisa Plüss.

Hundert Jahre ist es diesen Festspielsommer her, dass Europa sich in den Ersten Weltkrieg stürzte. „In genau den Tagen also, in denen wir in Salzburg miteinander die Festspiele feiern, entschied sich hundert Jahre zuvor auf dramatische Weise das Schicksal Europas und der Welt“, schreibt Sven-Eric Bechtolf im Vorwort zum Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele. Die Initiatoren der Salzburger Festspiele verstanden ihr Engagement 1920 als Friedenswerk. Diesen Sommer werden die Ereignisse des Krieges in die Gegenwart und auf die Bühne zurückgeholt. Und mit ihnen auch Werke großer Künstler, die sich mit den Schrecken und den Nachwirkungen des großen Krieges auseinandersetzen.

Zweimal, zwischen 1934 und 1936, hat sich der österreichisch-ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth mit Wolfgang Amadeus Mozart auseinandergesetzt. Ein Ergebnis daraus ist sein Schauspiel Don Juan kommt aus dem Krieg, welches zu den bedeutendsten seiner Werke nach 1932 zählt. Im Gegensatz zu Mozarts Herzensbrecher und Verführer ist Horváths Don Juan herzkrank und gebrochen von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs. In einer Welt der Inflation ist er auf der Suche nach einer verlorenen Liebe. Seine Sehnsucht gilt nicht mehr allen Frauen, sondern einer Toten.

Der 1963 in Magdeburg geborene Regisseur und Bühnenbildner Andreas Kriegenburg, der diesen Sommer erstmals bei den Salzburger Festspielen inszeniert, hat das Schauspiel Horváths neu auf die Bühne gebracht. 35 Frauen umgarnen Don Juan – gespielt von Max Simonischek – und können ihm nicht entkommen. Sie kommen zu ihm, gehen wieder, lassen ihn zurück. „Er selbst tut kaum etwas für den Fortgang des Stücks, die Frauen müssen alles für ihn erledigen“, so Regisseur Andreas Kriegenburg. „Am Ende müssen sie selbst ihn erledigen, selbst für seinen Tod rührt er sich nicht vom Fleck, wartet nur, dass der zu ihm kommt.“

„Märchenhaft und unheimlich“

Das Rätsel um Don Juan wurde in mannigfaltiger Weise zu lösen versucht, seit Hunderten Jahren, aber das Rätsel ist unlösbar, schreibt Ödön von Horváth im Vorwort zu seinem Schauspiel. Dabei kommt es ihm weniger auf ein Historiendrama als vielmehr auf die Figuren und Typen an. Im Zentrum stehen die Frauen. Märchenhaft und unheimlich zugleich. So beschreibt die 25-jährige Elisa Plüss Horváths Don Juan. Sie verkörpert fünf der insgesamt 35 Frauen (-rollen) in Kriegenburgs Inszenierung. „Ödön von Horváths Stücke sind düster, aber ich kann mich in seinen Figuren wiederfinden und mich mit ihnen identifizieren. Ich finde, seine Stücke sind sehr menschlich.“ Ein Weib in der Lebensmittelschlange, das erste Dorfmädchen, das zweite, kleine Mädchen, das zweite, lose Mädchen, die zweite Tochter;  vor allem die beiden letzten Figuren bezeichnet Elisa Plüss als ihre „größeren Rollen“, welche, abgesehen von ihrer Jugendlichkeit, unterschiedlicher nicht sein könnten: Das lose Mädchen, eine Prostituierte, bietet Don Juan einen Schlafplatz bei sich an, möchte ihn verführen, wird aber von ihm zurückgewiesen. Sie kümmert sich um den kranken Herzensbrecher, welcher am Ende der Anstrengungen und der Krankheit wegen in Ohnmacht fällt. Die zweite Tochter, das Kind einer Professorenwitwe, träumt von einer Karriere als Tänzerin. Auch sie ist fasziniert von Don Juan. Das Kind ist mit der Verliebtheit und der sexuellen Anziehung jedoch überfordert, möchte von Don Juan als Frau und nicht als Kind wahrgenommen werden. Es träumt sich in eine Fantasiewelt hinein, aus der es nicht mehr herausfinden kann. Beide Mädchen strotzen vor Jugendlichkeit und beide haben den Vater im Krieg verloren. Abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten könnten die Rollen insgesamt nicht unterschiedlicher sein und spiegeln wider, was Elisa Plüss als Schauspielerin sein möchte: vielfältig.

In tausend Rollen schlüpfen

Geboren 1989 in Zürich, bringt Elisa Plüss für die Schauspielerei bereits in Jugendjahren „viel mehr Energie auf, als für alles andere“. Der Vater ist Architekt, die Mutter Grafikerin, die Schwester hat Wirtschaft studiert, der Bruder widmet sich der Biologie. Als 14-Jährige ist Elisa Plüss vom Theater-Jugendclub in ihrer Heimatstadt begeistert. Dort sammelt sie ihre ersten prägenden Erfahrungen. „Das war der Start in die Schauspielerei, ich habe keinen einzigen Abend verpasst.“ Nach dem Abitur spielt sie am Theater am Hechtplatz (Bob Larbeys Scho wieder Sunntig) und in Projekten der Zürcher Hochschule der Künste. 2008 wird sie für den Kinofilm Happy New Year engagiert. Von 2010 bis 2011 absolviert sie ein Praxisjahr an der Jungen Burg des Burgtheaters Wien. „Wien habe ich total geliebt“, schwärmt Elisa Plüss. Danach will die junge Künstlerin an die Schauspielschule nach Berlin. Wie so oft, wenn ich vorgesprochen habe, bin ich danach nicht genommen worden.  Ich habe aber nie überlegt, es nicht weiter zu versuchen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Schauspielerei einfach zu mir gehört.“ Elisa Plüss bekommt den Tipp, sich in Salzburg zu bewerben. Seit 2011 studiert sie Schauspiel an der Universität Mozarteum. „Ich lebe gerne hier, es tut mir gut. Ich habe hier sehr viel Zeit und Raum, um Ruhe zu finden, und langsame Schritte zu machen, das ging in Wien nicht. Ich schätze das Familiäre an der Uni, liebe den Fluss und die Natur.“ Seit 2012 steht sie parallel in Martin Kusejs Die bitteren Tränen der Petra von Kant von Rainer Werner Fassbinder auf der Bühne des Residenztheaters München. „Und vor einem Jahr durfte ich bei den Salzburger Festspielen für die Rollen in Don Juan vorsprechen“, erzählt sie stolz.

Elisa Plüss liebt die Vielfalt und Stücke mit Inhalt. „Das ist aber auch meine Erwartung ans Theater, und ich wünsche mir, immer in ganz unterschiedliche Rollen schlüpfen zu können.“ Besonders das Thema Beziehung zwischen Menschen fasziniert sie. „Das klingt simpel, ist für mich aber das Komplizierteste, das es gibt, das am meisten Freude macht und die meisten Emotionen hervorruft.“ Und wenn Elisa Plüss nicht Theater spielt? „Wenn ich wirklich Zeit habe, und das ist leider sehr selten, gehe ich gerne wandern, ich bin ein Bergmensch. Und ich tanze unglaublich gerne!“

Eva Pittertschatscher

Cathy Kagiri, geboren 1990 in Nairobi, Kenia, kam vor fünf Jahren nach Österreich, um zu studieren. Als Au Pair-Mädchen fasste sie Fuß in Salzburg. Heute ist die schöne Kenianerin fast fertig mit ihrem Geschichte – Studium an der Universität Salzburg – und außerdem die frisch gekrönte Miss Integration sowie unser Cover-Model der SALZBURGERIN. Für Cathys titeltaugliches Make-up und Haare sorgte Evelyn Karbach vom Team Mario Krankl. Die 24-Jährige wurde Newcomerin des Jahres 2015 bei den Austrian Hairdressing Awards und hat mit ihrer allerersten Kollektion bereits die begehrte Trophäe für das Team Mario Krankl (Judengasse 11 in Salzburg) gewonnen.

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